Wochenrückblick: 45 nicht ganz so viel los, Hundeurlaub und Pubertier

50/2018

Zu Beginn der Woche gönnen wir uns einen Tag beinahe absoluter Ruhe. Daniel war am Morgen eine Runde mit Lex im Feld. Ich mache ein paar Fotos im Garten, lassen ihn aber ansonsten unbehelligt. Gerade das Training vom Sonntag war doch enorm anstrengend und auf ihn warten auch zwei Übernachtungen in der HuTa. Daniel und ich fahren nämlich nach Köln. Nach fünfjähriger Wartezeit habe ich endlich Karten für WWM bekommen können – Daniel wünscht sich so sehr einmal im Studio dabei zu sein. Also habe ich auch gleich das komplette Programm gebucht. Studioführung und im Anschluss eine Doppelfolge WWM. Für mich wird es eine enorme Herausforderung, aber was tut man nicht alles für die Liebe. 

Weiter ist in dieser Woche nichts geplant. Wird auch mal wieder Zeit für einen Gang runter. 

Man merkt deutlich wenn der Vortag sehr anstregend und fordernd war. Am Tag nach seinem Büroabenteuer ist Lex wilder unterwegs gewesen. Dennoch hat er sich im anschließenden Training sehr gut gemacht. Auch der Ausflug in den Zughundesport war sehr anstregend. Lex knallt mir schnell um die Ohren. Er ist unruhig und fordert mich immer wieder auf mich mit ihm zu beschäftigen. Vorsorglich habe ich schon das Rollo im Wohnzimmer unten gelassen. Kein Hundekino, keine Aufregung. Es fällt mir schwer Lex nicht zu beachten und so gehe ich doch noch mal mit ihm in den Garten. Ich habe einen Basketball und die Kamera mit neuem Objektiv dabei. Ich erwarte von Lex eine gewisse Ruhe bis ich ihn an den Ball lasse. Er erwartet von mir, dass ich weiter mit ihm spiele sobald er den Ball hat – ich bleibe an Ort und Stelle stehen und mache ein paar Bilder von Lex und Ball. Nach dem dritten Mal Ball schießen breche ich ab. Er springt vehement an mir hoch und maul sehr fest. Ich lasse ihn im Garten stehen. Wer frech wird, wird ignoriert. Ich beobachte ihm aus dem Küchenfenster. Unschlüssig steht er neben seinen Ball und guckt Richtung Terrasse. So hat er sich das Spiel nicht vorgestellt. 

Ich atme tief durch und rufe ihn rein. Jetzt ist aber wirklich Pause angesagt. Ich darf einfach nicht auf seine Aufforderungen eingehen. Wenn er weiter rum läuft kommt er in seine Box. An einem solchen Tag muss ich für die notwendige Ruhe sorgen. Allein schafft er es wohl nicht. Doch dann legt er sich an die Terrassentür und rollt sich ein. Immer wieder schreckt er im Schlaf hoch und bellt.

“Ach, kleiner Mann. Lass einfach los. Gönn dir die Ruhe. Ich regel das.”

Nach ein paar super guten Tagen in der HuTA ist Lex gegen Ende der Wocheauch wieder bei uns. Ich habe nach unseren Ausflug nach Köln noch einen Tag Pause. Ich brauche die Zeit für mich. Lex wird die Zeit in der HuTa durchaus zu nutzen wissen. Dann ist auch schon fast Wochenende und ich bin nicht ganz allein mit dem Pubertier. Ich traue den Nebenwirkungen meiner Medikation noch nicht ganz über den Weg. Da ist es mir lieber wenn ich nicht allein Gassi gehen muss. 

Ich habe für Lex einen neuen Bademantel bestellt. Wenn er richtig nass ist dauert es ewig bis er wieder trocken wird. Je nach Wetter ist das natürlich weniger sinnvoll. Der neue Mantel hat die Eigenschaft die Feuchtigkeit praktisch aus dem Fell zu saugen. Dazu ist er noch antibakteriell was bedeutet, dass er direkt den “nasser Hundgeruch” verhindern soll. Der Mantel hat einen Kragen mit Reißverschluss, Schlaufen an den Hinterbeinen damit nichts verrutscht und einen Bauchlatz, den man mittels zweier Klickverschlüsse um den Hundekörper verschließen kann. Lex wäre also rund um eingepackt. Die Größe wurde anhand der Rückenlänge ermittelt. Wobei Lex’ Größe etwas unglücklich ist entweder gucken die Hinterbacken raus – was blöd ist da er dort am meisten Plüsch hat – oder sein Pullermann hängt im Bademantel. Da er den Mantel vor allem im Haus und im Auto tragen wird, wird er kaum in die Verlegenheit kommen zu pinkeln. Demnächst werden wir wohl das Vergnügen haben den Mantel ausgiebig zu testen. 

Am Abend bringt Daniel Lex mit nach Hause. Etwas aufgedreht ist der kleine Mann, aber nur weil er halb am verschmachten ist. Er fällt wie ein hungriger Wolf über sein Fleisch her. (Lex hat diesmal Futter mitbekommen. Hochwertige Dose je morgens und abends eine. Wir haben das Trofu der HuTa in Verdacht bei ihm eine allergische Reaktion auszulösen. Er kratzt sich auffällig oft wenn er über Nacht dort war, sprich dort gefüttert wurde. Nach unserem Urlaub in Schottland war es besonders schlimm. Er hatte eine ganze Weile mit wunden Lefzen zu kämpfen und hat sich immer wieder an verschiedene Stellen blutig gekratzt. Auf das Futter der HuTa bin ich durch Zufall gekommen und ja, ich habe Recht behalten.) Danach sucht er mit der Nase am Boden nach weiteren Fressbaren. Er wartet sehnsüchtig auf seinen Abendsnack – sobald wir unser Abendessen vor uns stehen haben, bekommt Lex seinen Käseknochen (der mit Abstand einzige Dauerrennersnack), in sekundenschnelle ist dieser weggeknuspert. Lex tigert weiter auf und ab. Kauen beruhigt. Also bekommt er noch ein Stück Ochsenziemer. Ein, zwei Mal nagen und schon gehen die Augen zu. Er schläft die komplette Nacht durch und auch am Morgen ist er nur liegen anzutreffen. Eindeutig Zeit zum Ausspannen!

Die Gassirunde am Wochenende sind anstregend. Es ist kaum Verkehr, dennoch kriege ich ihn nicht zur Ruhe. Er zieht an der Leine, die Nase klebt am Boden. Er orientiert sich zwar zurück zu mir, aber auch erst nachdem ich mehrfach an ihm gezupft habe. Springt zurück an meine Seite und schießt wieder vorwärts. Auf dem Feldweg wird es etwas besser. Ich nutze die kurzen Augenblicke seiner vollen Aufmerksamkeit um ihn abzuleinen. Lass ihn bei mir gehen. Wie immer klappt dies erstaunlich gut. Als ich ihn freigebe schießt er ins Feld davon. Daniel und ich sind uns einige, da wächst eindeutig Gras. Also darf er rein. Fuchssprung reiht sich an Fuchssprung. Im wilden Galopp fegt er an uns vorbei, dreht eine Schleife, den Körper nah am Boden, die Rute eingeklemmt. Eindeutig Zoomiealarm. Dann steht er vor uns. Bleibt bei uns, wenn wir es verlangen und stürmt dann wieder davon. Es geht über die Wiese. Nase am Boden, im Zickzack geht es weiter. Wir überqueren den Bach an der kleinen Brücke. War etwas holprig hier. Lex war eine ganze Weile im Freilauf, doch hier an der Straße fixiert er gern die Autos. Es kommt auch ein Mensch-Hundeteam auf dem Fahrrad vorbei gefahren. Lex ist sehr interessiert, steigt aber nicht auf das Kläffen der beiden anderen Hunde ein. Gefühlt eine Ewigkeit später orientiert es sich wieder zu uns. Auf der anderen Seite lasse ich ihn wieder von der Leine. Halte ihn bei mir, gebe ihn dann frei. Er fliegt mit donnernden Pfoten in den Erdaushub, Wasser und Schlamm *yey*, rennt eine Runde um das Loch und fliegt zu uns zurück. Wir gehen noch ein Stück, dann schlagen wir uns zurück auf unsere Seite der Wiese. Wir gehen weiter am Bachlauf entlang. Lex hat mein Ok, er springt im Slalom von einer Seite des Ufers zur Anderen. Seine Sprünge werden immer länger. Seine Augen strahlen, seine Zunge hängt seitlich aus seiner Schnauze. Zurück zu uns, darf ich?, ja! weiter. Ein wahrer Abenteuerspielplatz. Dann geht es ganz schnell. 

“Hase!”

rufe ich. Direkt vor Lex’ Schnauze schießt ein Feldhase aus dem Graben. Dreht sich Lex im gleichen Moment zu uns um? Fragt er wirklich nach? Hat er es nicht mitbekommen? Kann doch nicht sein, dass er einen Hasen direkt vor seiner Nase schon wieder nicht bemerkt hat?! 

“Lex, komm komm schnell!”, 

kommt automatisch aus meinem Mund. Mit wehender Rute sitzt er auch schon direkt bei mir. Gut gemacht! Bester Mann. Dennoch kommt nun die Schleppleine wieder zum Einsatz. Es gibt eine ordentliche Diskussion zwischen Daniel und Lex. Daniel möchte, dass er ein wenig runter kommt und legt ihn ab, Lex ist der Meinung weiter im Gebüsch schnüffeln zu müssen… Der Weg zurück gestaltet sich ähnlich anstrengend wie der Hinweg. Die Leine kommt ans Geschirr. Wir haben keine Chance. Doch sobald wir an der Straße angekommen sind, orientiert er sich zusehends mehr in meine Richtung. Im Hausflur lässt er sich brav die Pfoten abwaschen – Salz liegt praktisch in Bergen vor unserer Tür, kein Frost weit und breit. Kaum lasse ich ihn in den Garten (Lex trinkt zur Zeit nur aus seinem Blumentopf) springt er wild zwischen Wiese und Terrasse hin und her, dabei bellt er in alle Richtungen. Dann fliegt er zurück ins Haus steht an der Scheibe und kläfft weiter… Pubertier und Diskutier sind wieder da. 

Oh, ja. Die Hormone sind wieder stark in dir mein junger Padawan. Daniel und ich packen uns derweil ein Lächeln ist Gesicht und versuchen die Situationen mit Humor zu nehmen. Der kleine Mann wird eben erwachsen und das gehört dazu. Eigentlich spannend seine Entwicklung so direkt zu erleben. Alle Facetten. Das Hin- und Her gerissen sein zwischen großer böser Wolf und kleinem Kuscheltier. Zwischen “Rühr mich nicht an” und “Lass mich bitte nie wieder los”. Zwischen “Ich hau dir auf sie Schnauze” und “Bitte bitte, ich möchte dein Gesicht ablecken”. “Hallo hier komm ich, der Lex, schau wie ich stolziere” und “Oh mein Gott was war das, es kommt um mich zu töten”. Anstrengend. Für uns. Für ihn. 

Auch die nächste Gassirunde gestaltet sich abenteuerlich. Schon vom Weitem sehen wir das Dreiergespann. Wir schlagen uns aufs Feld. Der Boden ist gefroren, wir bleiben am Rand, das wird schon schief gehen. Das Gespann dreht dann aber doch ab und geht Richtung Daniels Joggingstrecke. Lex zieht derweil wie ein Stier. Ich habe die Leine ans Geschirr gemacht, er ist praktisch nicht ansprechbar. Als wir den Feldweg erreichen wagen ich es denn noch. Ich leine ihn ab. Sofort ist er aufmerksamer. Du kannst mich mal, denke ich und schicke ihn nach einigen Metern recht passablen Beifuß los. Wie am Vortag schon schießt er direkt los. Im gestreckten Galopp rennt er mit der Nase mehr oder weiger am Boden auf und davon. Ich pfeife nach ihm, eine Sekunde, zwei Sekunden,… Lex dreht ab und kommt in unverminderter Geschwindigkeit auf mich zugeschossen. Ich möchte nicht, dass er kurz vor mir einen Bogen läuft – nach dem Motto “Ich war ja da, was willst du?” – ich möchte, dass er bei mir ankommt und Kontakt aufnimmt. So vernebelt sein Hirn gerade zu sein scheint auch jetzt geht er wieder schön bei mir. Ich gebe ihn erneut frei und wieder rennt er mit wehender Rute auf und davon. Er kennt nur eine Gangart und das ist Galopp. Er stoppt abrupt, reagiert nicht auf mein Rufen, guckt zwar saugt sich aber mit der Nase am Boden fest. Die Zunge kommt zum Einsatz. Ich gehe hin. Abruf ist Abruf. So nicht mein Freund. Ich kann ihn kaum von der Stelle lösen. Dann ist er wieder bei mir. Schaut mich an, Schaum tropft von seiner Schnauze. Aha. Lecker Mädchen vom Boden gezuzelt. Es gehört nun mal auch zu seiner Entwickelung interessante Gerüche zu erkunden – wir sprechen nicht vom Jagen und auch nicht auf Brautschau gehen. Schnüffeln und wahrnehmen ist ok, reinsteigern und abzischen ist nicht ok. Ich hadere mit mir, lass ihn aber dann doch wieder ziehen. Er kommt sofort wenn ich pfeife. Diesmal drehe ich mich einfach nur um. Wir sind, ich bin eher langsam unterwegs. Als ich den Blick zurück wage ist er praktisch schon am Bach. Soviel zum Thema Aufmerksamkeit…

“Das war großer Mist”

denke ich laut, pfeife einmal sehr leise. Lex bleibt stehen. Schaut in meine Richtung. Ich winke und er gibt Vollgas. Er hat einen so unbändigen Bewegungsdrang, ich nehme nun doch lieber die Schleppleine und beende die Runde hier und jetzt. Selbst an der Schleppleine zieht er wie bekloppt. Auch an der kurzen Leine als wir fast an der Straße angekommen sind stolpere ich mehr, als das ich gehe und mit einem Mal geht er direkt Beifuß. Blick auf mich gerichtet. So geht es bis an die Haustür. Er steht brav im Flur, lässt sich ableinen, stürmt dann allerdings wild in den Garten. Er muss großen Durst haben. Seine Näpfe sind allerdings mit einer dicken Eiskruste versehen. Gut, dann hole ich eben die Kamera, wir machen noch ein zwei Eisbilder und dann wird geschlafen. Mit beiden Pfoten trommelt er auf das Eis ein, fängt an zu bellen, tief und ein wenig frustriert. Ich schiebe ihn ein Stück zur Seite, versuche das Eis aufzubrechen. Es geht ihm nicht schnell genug und schon hängt er mir am Ärmel. Ein lautes “NA!” und er lässt ab. Zurück im Wohnzimmer fällt er direkt in einen tiefen Schlaf. Nach einer Stunde wacht er von seinem eigenen Knurren auf, seine Nackenhaare sträuben sich und der springt bellend zur Tür. Es ist nichts. Nur ein Traum. Er legt sich unter den Tisch an dem ich sitze und wufft leise vor sich hin…

Ich frage mich ob ich das so alles richtig mache. Oder ob es falsch ist ihn laufen zu lassen wenn er doch eher mit der Nase am Boden ist. Anderseits war er direkt wieder bei mir. Belohne ich ihn nach einer beschissenen Beifußrunde mit einem Freilauf? Oder ist es für ihn gerade enorm wichtig sich seinen Pubertätsfrust von der Seele zu renen? Er kuschelt auch unheimlich viel. Er sucht sehr viel Körperkontakt. Es ist nicht fordernd wie es sonst seine Art ist, eher wie ein kleines Kind was nach einem Albtraum die Nähe seiner Eltern sucht. Ich möchte ihm diese Nähe nicht verwehren. Es fühlt sich irgendwie richtig und wichtig an. Das jetzt so zu machen. Auch der Freilauf im gestreckten Galopp hat sich in dem Moment genau richtig angefühlt. Daniel hat am Morgen davon erzählt, wie sich Lex an ihn gekuschelt hat. Seite an Seite, Hundeschnauze an Menschenwange. Tief geschnorchelt. 

Es sind wieder sehr nervenzehrende Tage angebrochen. Doch die Zeiten in denen er ruhiger und beinahe schon ausgeglichen sind werden deutlich mehr. Ich bin sehr froh um meinen Kontakt zu einer Gleichgesinnten. Es tut gut sich den eigenen Frust von der Seele zu schreiben, es ist aber noch besser wen man jemanden hat, der gerade ähnliche Erfahrungen macht. Danke, dass du zuhörst und mitliest! Wir kriegen das schon hin. Unsere Wölfe sind eben genau die, die wir brauchen. Nicht die die wir uns gewünscht haben, aber nur so können auch wir wachsen.  

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